Pressemitteilung                                            23. Mai 2007

Flächenangebot bedarfsgerecht anpassen

 
     
 

 

 
 

Flächen können auf unterschiedlichste Weise genutzt werden. Da ist zunächst die traditionelle Nutzung als natürliche Ressource, also als Waldflächen oder Anbau- und Weideflächen für die Landwirtschaft. Das gab es schon immer. Auch zum Siedeln haben die Menschen schon immer bestimmte Flächen benutzt. Doch bestehen deutliche Unterschiede zwischen historisch überkommenen Siedlungen und einer modernen Ansiedlung, sei es nun ein Dorf oder eine Großstadt. Zum einen waren Städte und Dörfer früher weitaus kleiner und zählten viel weniger Bewohner. Und die Bewohner beanspruchten deutlich weniger Wohnraum pro Person. Straßen spielten damals kaum eine Rolle, weil sie wasserdurchlässig waren und den Boden nur wenig versiegelten. Doch setzt sich so langsam die Erkenntnis durch, dass die vorhandenen Flächen künftig nicht beliebig weiter in Anspruch genommen werden dürfen.

Ein Aktionsbündnis „Flächensparen“ wurde landesweit gebildet. Die spürbare Reduzierung der Flächeninanspruchnahme soll gesetzlich verankert werden. Und der baden-württembergische Ministerpräsident spricht mittel- bis langfristig von einer Netto-Null.
Andererseits galt bisher ein großer Flächenbedarf stets auch als ein Zeichen für wirtschaftliche Prosperität. Und wer sich die Landkarte Baden-Württembergs ansieht, erkennt schnell, dass häufig die am dichtesten besiedelten Gebiete, wie beispielsweise das Oberrheintal oder der Großraum Stuttgart mit weiten Teilen des Neckartals, gleichzeitig auch die wirtschaftlich potentesten Räume des Landes darstellen. So kommen in Stuttgart auf einen Quadratkilometer derzeit 2858 Einwohner, in Emeringen auf der südlichen Schwäbischen Alb sind es dagegen gerade 18 Einwohner pro Quadratkilometer. Heute gelten jedoch in vielen Teilräumen die ländlichen Räume als besonders dynamisch.

Das macht die Ansprüche einer modernen Gesellschaft deutlich: Fläche wird benötigt zum Wohnen, für Gewerbe und Handel, für die Mobilität und für die Freizeit. Doch auch ein dicht besiedelter Raum hat seine Vorteile: die Wege dort sind kürzer als in dünn besiedelten Regionen. Ballungsräume verfügen über eine optimierte Infrastruktur, die in ländlichen Gegenden deutlich teurer ist.
„Die Inanspruchnahme von Freiflächen sollte jedoch künftig noch weit stärker als bisher reduziert werden,“ ist sich Dr. Ekkehard Hein vom Regionalverband Heilbronn-Franken sicher. Das gebiete schon die Ökologie und die Notwendigkeit, die Freiräume für die Regeneration unserer Lebensgrundlagen Luft und Wasser zu erhalten. Doch einen weiteren Grund sieht Hein bei der demografischen Entwicklung und den geänderten gesellschaftlichen Ansprüchen.

Denn die Zahl der Menschen im Land stagniert oder nimmt sogar ab. Was dagegen immer noch zunimmt, ist die Größe des Wohnraums pro Einwohner. So bewohnte noch 1968 der durchschnittliche Baden-Württemberger gerade 24 Quadratmeter. Im Jahr 2002 nannte der durchschnittliche Bewohner einer Wohnung etwas mehr als 42 Quadratmeter sein eigen. Seit Mitte der 1980er Jahre ist der Bedarf an Wohnraum pro Person im Durchschnitt jährlich um 0,9 Prozent gestiegen. Das ist einerseits wohlstandsbedingte Entwicklung und andererseits auf kleiner werdende Haushalte, z. B. Singlehaushalte, zurückzuführen. Das hat neben dem sozialen Wandel beispielsweise auch demografische Ursachen. So stellten in den letzten Jahren die Babyboomer die Bauherrengeneration und gleichzeitig rücken die Friedensjahrgänge in die Seniorengeneration.

Die nächsten Jahre schrumpft in der ganzen Region besonders die Bauherrengeneration (30 – 45 Jahre) pro Jahr um 2 – 3 % - das sind jetzt die früheren Pillenknickjahrgänge. Damit dürfte die Nachfrage nach dem klassischen Einfamilienhausgrundstück ebenso deutlich zurück gehen. Hier sind Angebotsanpassungen unausweichlich.

Dagegen sind im Segment der reiferen Jahrgänge und der Senioren zusätzliche Wohnansprüche zu konstatieren. Zusammengefasst bedeutet das, dass genau die Gruppen, die künftig Eigenheime nachfragen werden, sukzessive schrumpfen. Gleichzeitig wächst die Zahl der Senioren, auf die sich der gesamte Wohnungsmarkt künftig einrichten muss. Teilweise bleiben die Senioren in ihrem bisherigen Wohnbereich (Remanenz), teilweise könnte sich ein Trend verstärken, zurück in die Stadt (Reurbanisation) zu ziehen. Alles in allem müssen für den Flächenbedarf kommunal neue Eckwerte festgelegt werden, die sich an der inzwischen geringeren Zuwanderung und den geringeren eigenen Zuwächsen der Gemeinden orientieren.

 
     
 

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