Der Ländliche Raum in der Region Heilbronn-Franken hat viele Funktionen

Hoher Lohnwert, Wohnwert und Freizeitwert

 

Dem Ländlichen Raum in der Region Heilbronn-Franken kommt eine ganz besondere Bedeutung zu. 77 der 111 Gemeinden liegen im Ländlichen Raum, der für eine halbe Million Menschen Lebensraum ist. Er erstreckt sich auf knapp 4000 Quadratkilometer und hat damit ein Ausmaß, wie es, absolut gesehen, in keiner anderen Region Baden-Württembergs erreicht wird. Allein das sind für den Regionalverband Heilbronn-Franken Gründe genug, diesen Raum und seine sozioökonomischen Entwicklungen einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Die Studie wurde von Dr. Andreas Schumm erstellt und erscheint demnächst in der Reihe "Informationen der Region Heilbronn-Franken".
Der Ländliche Raum erfüllt sozioökonomisch im Wesentlichen drei typische Funktionen: er hat Wohnfunktion, Produktionsfunktion und eine touristische Funktion. Insbesondere auf diese drei Funktionen geht Schumms Studie ein.
Um ländlichen Raum vom urbanen Raum zu unterscheiden, untersucht Schumm zunächst die Region auf ihre Bevölkerungs- und Siedlungsdichte, die Art der Flächennutzungen und auf die Einwohner-Arbeitsplatzdichte. Ergänzend betrachtet er dann noch die Baulandpreise sowie den Anteil der Einfamilienhäuser im Ländlichen Raum. Wesentlichstes Merkmal für den Ländlichen Raum ist die Bevölkerungsdichte. So sind es beispielsweise in Creglingen oder Bühlerzell 42 Einwohner pro Quadratkilometer. Im Regionsdurchschnitt leben auf der gleichen Fläche 186 Einwohner. Eine geringere Bevölkerungsdichte ist gleichzusetzen mit viel Freiraum in Siedlungsnähe. Durch Flächenverfügbarkeit und relativ niedrigem Preisniveau für Bauplätze kann der Wunsch nach einem Eigenheim häufig nur noch im ländlichen Raum verwirklicht werden. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass der Einfamilienhausanteil an allen Gebäuden mit über 60% höher ist als in den Ballungsräumen.
Was die Flächennutzungen betrifft unterscheidet sich die Stadt Heilbronn hinsichtlich ihrer landwirtschaftlich genutzten Flächen anteilsmäßig weitaus weniger vom Ländlichen Raum, beispielsweise in Hohenlohe, als man gemeinhin annehmen könnte. Denn 47,9 Prozent werden in Heilbronn als landwirtschaftliche Flächen genutzt. Im Hohenlohekreis sind es nur 0,8 Prozent mehr. Der große Unterschied liegt bei den Siedlungs- und Verkehrsflächen. Als solche werden in Heilbronn 35,3 Prozent der gesamten Fläche genutzt im Hohenlohekreis dagegen lediglich 12,5 Prozent.
Noch immer das typischste aller Merkmale für den Ländlichen Raum ist die landwirtschaftliche Produktion. Sie prägt auch maßgebend das Profil der Landschaft, die zum überwiegenden Teil der bäuerlichen Arbeit in den vergangenen Jahrhunderten zu verdanken ist. Man denke dabei nur einmal an den Wein- und Obstbau in den klimatisch begünstigten Tälern des Neckars, des Kochers oder der Jagst. Wie alle Wirtschaftszweige ist auch die Landwirtschaft insbesondere seit der Nachkriegszeit einem ständigen Strukturwandel unterworfen, der bis heute nicht abgeschlossen ist. Dieser Strukturwandel zeigt sich am deutlichsten in der Zahl der Betriebe. Deren Zahl nämlich ist in der Region seit 1987 um beinahe 51 Prozent auf weniger als 9000 Betriebe gesunken. Bei weitem nicht im gleichen Maße hat allerdings die landwirtschaftlich genutzte Fläche abgenommen. Mit einer Verringerung um rund 4000 Hektar oder 1,6 Prozent war hier der Rückgang durchaus moderat. Dafür bewirtschaften die einzelnen Betriebe inzwischen deutlich größere Flächen. Allein zwischen 1991 und 2007 ist die durchschnittliche Betriebsfläche von knapp 16 auf knapp 28 Hektar angewachsen. Damit sind die Betriebe in der Region Heilbronn-Franken sogar noch um 2,6 Hektar größer als ein durchschnittlicher Betrieb in Baden-Württemberg.
Im allgemeinen ökonomischen Sinne hat der Ländliche Raum der Region Heilbronn-Franken deutlich aufgeholt. Zwischen 1992-2005 nahm das Bruttoinlandsprodukt um 48 Prozent zu, die Anzahl der Erwerbstätigen stieg um knapp 10 Prozent.
Mit dieser Entwicklung einher geht auch eine Entwicklung, die etwa Mitte des 19. Jahrhunderts eingesetzt hat: die touristische Funktion des Ländlichen Raumes. Bereits Ludwig van Beethoven beschrieb emotional in seiner 6. Symphonie das "Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande". Heute finden sich unter anderem Golfplätze und Reiterhöfe als Beispiele für die neue Ausprägung und Wertschätzung des Ländlichen Raumes  mit Erholungs- und Freizeitfunktion. Die Grundlagen für weiteres Entwicklungspotenzial im touristischen Bereich sind in der Region Heilbronn-Franken nach Ansicht von Schumm durch die reichhaltige kulturhistorischen Zeugnisse und die großen zusammenhängenden Freiraumstrukturen gegeben.

Die Zukunftsfähigkeit des Ländlichen Raumes wird nach Auffassung von Verbandsdirektor Dr. Ekkehard Hein in erheblichem Maße vom Wanderungsverhalten der jüngeren Generation abhängen, für die Berufseinstiegschancen, familienpolitische Maßnahmen und die regionale Standortattraktivität besonders wichtig sind.


     

Seitenanfang