Grosse Infrastrukturinvestition auf den Weg gebracht-
Neckar-Schleusenverlängerung startet

 
     
     
 

Der gemeinsame Einsatz für den notwendigen Ausbau der Binnenschifffahrtsstraße Neckar hat sich gelohnt: Am 26. November 2007  hat die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen, Karin Roth im Beisein von Staatssekretär Rudolf Köberle vom Innenministerium Baden-Württemberg den Startschuss für die Verlängerung und Modernisierung der Neckarschleusen gegeben.
Nachdem Ende 2006 die Aufnahme der Verlängerung der Neckarschleusen in den neuen Investitionsrahmenplan des Bundes für den Zeitraum 2006 - 2010 bekannt geworden war, sind nun alle notwendigen Entscheidungen und Beschlüsse zur Finanzierung gefasst worden. Das Vorhaben, das sich über einen Zeitraum bis zum Jahr 2025 erstrecken wird, wird vom eigens eingerichteten „Amt für Neckarausbau Heidelberg“ (ANH) gemanagt.
Vorrangiges Ziel ist die Verlängerung je einer Schleusenkammer der insgesamt 27 Schleusen zwischen Mannheim (Neckarmündung) und Plochingen. Die bisherigen Schleusen haben eine Länge von 110 m, die aber für die neue Schiffsgeneration mit 130 m Länge, die auf dem Rhein bereits etabliert ist, nicht ausreicht. Eine Verlängerung auf 135 m schafft Zukunftssicherheit und die durchgängige Befahrbarkeit auf dem deutschen Binnenwasserstrassennetz bis nach Plochingen.
Für die Verlängerung der Schleusenkammern und die ohnehin notwendige Sanierung der teilweise 80 Jahre alten Schleusenanlagen nimmt der Bund nun ca. 375 Mio. Euro in die Hand. Ergänzt wird diese Investition durch weitere ca. 200 Mio. Euro, die für Ersatz und Grundinstandsetzung von Wehren und Schleusenkammern, Schleusenautomatisierung sowie Nachsorgemaßnahmen an Dämmen und Bauwerken notwendig werden. Damit steht in den kommenden Jahren eine Gesamtinvestition von ca. 575 Mio. Euro in die Binnenwasserstraße Neckar an.
Der Zeitplan sieht vor, dass das Amt für Neckarausbau Heidelberg nun die Arbeit aufnimmt und zunächst in die Planungsphase tritt. Ab 2012 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden, wobei sichergestellt werden soll, dass ein reibungsloser Schiffsbetrieb auch während der langen Bauphase gewährleistet ist. Dazu werden zunächst die Schleusenkammern, die nicht verlängert werden, modernisiert und instandgesetzt. Das Amt für Neckarausbau Heidelberg wird insgesamt ca. 70 Mitarbeiter beschäftigen; der vom Bund geforderte Beitrag des Landes an dem Projekt wird durch die personelle Unterstützung des Projektteams erfüllt, in dem etwa ein Drittel der Mitarbeiter gestellt wird.
Der Neckar fließt zwar ganz überwiegend innerhalb von Baden-Württemberg, im Abschnitt zwischen Plochingen und der Neckarmündung in den Rhein sind jedoch mit der Region Stuttgart, der Region Heilbronn-Franken und der Region Rhein-Neckar drei verschiedene Regionen betroffen, die bei diesem großen Infrastrukturvorhaben an einem Strang gezogen haben.

Innerhalb der Region Heilbronn-Franken liegen die fünf Schleusen von Gundelsheim, Bad Friedrichshall-Kochendorf, Heilbronn, Heilbronn-Horkheim und Lauffen a.N. (Karte). Gundelsheim ist flussaufwärts gesehen die zehnte Schleuse. Je mehr flussaufwärts, desto dichter ist die Schleusenabfolge - ab der Regionsgrenze hinter Lauffen a.N. folgen noch 13 Schleusen bis Plochingen. Insgesamt hat die Binnenwasserstraße Neckar zwischen Neckarmündung und Plochingen eine Länge von 203 Kilometern; von der Mündung bis Heilbronn sind es 114 km.

Die Region Heilbronn-Franken begrüßt die jüngsten Entscheidungen und den Startschuss zum Ausbau der Neckarschleusen sowie zur Generalüberholung dieser Infrastruktur außerordentlich. Der Regionalverband hatte Forderungen nach Ausbau der Neckarschleusen bereits in seinen Stellungnahmen für den Bundesverkehrswegeplan 2003 formuliert. Auch im Regionalen Entwicklungskonzept Verkehr (2004) und im neuen Regionalplan Heilbronn-Franken 2020 sind die Forderungen nach einem adäquaten Ausbau der Binnenschifffahrtsstrasse enthalten. Ebenfalls  hatte der Regionalverband Heilbronn-Franken die Gemeinsame Resolution von Gebietskörperschaften, Organisationen, Unternehmen und Verbänden für den Ausbau der Neckarschleusen im Jahr 2005 mit unterzeichnet. Zuletzt war das Vorhaben auch als vordringliches Projekt in den regionalen PAKT ZUKUNFT zwischen Wirtschaft und Kommunen aufgenommen geworden.

Die Binnenschifffahrt stellt eine der Säulen des Güterverkehrs in Deutschland dar. Mit dem Ausbau- und Modernisierungsprogramm lässt die Bundesregierung nun den Worten auch Taten folgen. Der Güterumschlag der Binnenschifffahrt auf dem Neckar zeigt zuletzt wieder nach oben: Im Jahr 2006 ist er in Baden-Württemberg um durchschnittlich drei Prozent gestiegen. Weit überdurchschnittlich zeigte sich hier der Hafen Heilbronn, der laut Statistischem Landesamt in 2006 um sechs Prozent zulegen konnte und damit seine Position als umschlagsstärkster Hafen am Neckar festigen konnte.

Ergänzt wird diese erfreuliche Entwicklung durch das Vorhaben der Stadt Heilbronn, im Hafen Heilbronn einen  Container-Umschlagplatz einzurichten. Damit könnte der Hafen eine Lücke in seinem Angebot schließen und zusätzlich an Attraktivität als eine wichtige Drehscheibe im regionalen Güterverkehr gewinnen. Die Planungen zum trimodalen Container-Umschlagplatz am Alten Neckar auf der Nordspitze des Gewerbegebiets „Wohlgelegen“ sind nahezu abgeschlossen. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen hat über die zuständige Wasser- und Schifffahrtsdirektion Münster im September 2007 signalisiert, dass ein vorzeitiger Vorhabensbeginn möglich ist, denn der Bund tritt mit 85 % als wesentlicher Mitfinanzier des Projekts mit einem anfänglichen Investitionsvolumen von ca. 10 Mill. Euro auf. Die Stadt Heilbronn hofft darauf, 2008 mit dem Bau beginnen zu können. Die Eröffnung des Container-Terminals wäre dann etwa Mitte 2009 möglich.

Laut einer Potenzialstudie aus dem Jahr 2005 kann im Endausbau mit einem Umschlag von ca. 50.000 Containern pro Jahr gerechnet werden. Vorgesehen ist eine zweistufige Realisierung mit zunächst knapp 23.000 qm Fläche, die auf 45.000 qm erweitert werden kann. Neu angelegt werden muss eine Schiffsanlagestelle für zwei Schiffe sowie ein Bahnanschluss. Damit wird später eine optimale Trimodalität (Straße, Schiene, Wasser) des Terminals gegeben sein.

 
 
 
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